Wie entsteht der Börsenstrompreis?
Ratgeber · von Sander Valkonet · Stand Oktober 2026
Der Strompreis an der Börse entsteht jeden Tag neu in einer Auktion. Welches Kraftwerk als letztes gebraucht wird, um den Bedarf zu decken, bestimmt den Preis für alle. Deshalb ist Strom bei viel Wind und Sonne billig und an windstillen Winterabenden teuer.
Die Day-Ahead-Auktion
Der größte Teil des kurzfristig gehandelten Stroms in Europa wird am Vortag versteigert, in der sogenannten Day-Ahead-Auktion. Bis 12 Uhr mittags geben Kraftwerksbetreiber, Händler und Stromversorger ihre Gebote für jeden Zeitabschnitt des folgenden Tages ab: Wer verkauft, nennt Menge und Mindestpreis, wer kauft, Menge und Höchstpreis. Ein gemeinsamer Algorithmus für fast ganz Europa ermittelt daraus die Preise. Gegen 13 Uhr stehen sie fest; ab dann zeigt diese Seite die Strompreise für morgen.
Seit dem 1. Oktober 2025 wird in Viertelstunden gehandelt, vorher in Stunden. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht auf SMARD.de Stundenmittel, die wir übernehmen. Für Haushalte mit dynamischem Tarif macht das kaum einen Unterschied, weil die Viertelstunden innerhalb einer Stunde meist nah beieinander liegen.
Die Merit-Order: das teuerste Kraftwerk bestimmt den Preis
Die Verkaufsgebote werden nach Preis sortiert, vom günstigsten zum teuersten. Ganz vorne stehen Wind- und Solaranlagen: Sie haben kaum laufende Kosten, weil Wind und Sonne nichts kosten. Danach folgen Laufwasser, Biomasse, Braunkohle, Steinkohle und schließlich Gaskraftwerke, deren Strom wegen der Brennstoff- und CO₂-Kosten am teuersten ist. Diese Reihenfolge heißt Merit-Order.
Die Auktion nimmt so lange Gebote von links nach rechts, bis die Nachfrage gedeckt ist. Das letzte noch benötigte Gebot setzt den Preis, und alle bezuschlagten Anbieter bekommen diesen Preis. Weht viel Wind, reicht die Reihe oft schon, bevor das erste Gaskraftwerk an der Reihe ist, und der Preis fällt. Fehlen Wind und Sonne, muss die Auktion bis zu den teuren Gaskraftwerken greifen.
Warum der Gaspreis so wichtig ist
In vielen Stunden ist ein Gaskraftwerk das letzte Kraftwerk, das noch gebraucht wird. Dann hängt der Strompreis direkt am Gaspreis und am Preis für CO₂-Zertifikate. Das erklärt, warum die Strompreise 2022 so stark gestiegen sind: Der Gaspreis hatte sich vervielfacht, und mit ihm der Preis in allen Stunden, in denen Gas den Ausschlag gab.
Der typische Tagesverlauf
- Nachts wird wenig verbraucht. Der Preis liegt meist unter dem Tagesmittel, im Winter sind die frühen Morgenstunden oft am günstigsten.
- Morgens zwischen 7 und 9 Uhr steigt der Verbrauch, bevor die Sonne viel liefert. Es gibt eine kleine Preisspitze.
- Mittags drückt der Solarstrom den Preis, an sonnigen Tagen im Frühjahr und Sommer oft bis unter null.
- Abends zwischen 18 und 21 Uhr fällt der Solarstrom weg, während Kochen, Licht und Fernseher den Verbrauch hochtreiben. Das sind fast immer die teuersten Stunden.
Wie ausgeprägt dieses Muster in den letzten zwölf Monaten war, zeigt die Auswertung Strompreis nach Uhrzeit.
Negative Preise
Manchmal bieten Erzeuger Strom zu negativen Preisen an: Sie zahlen dafür, dass jemand ihren Strom abnimmt. Das passiert, wenn an sonnigen, windigen Feiertagen viel mehr Strom erzeugt als verbraucht wird. Ältere Solar- und Windanlagen bekommen ihre feste Vergütung trotzdem, und manche konventionelle Kraftwerke lassen sich nicht schnell genug drosseln. Mehr dazu auf Negative Strompreise.
Gebotszonen und Nachbarländer
Deutschland und Luxemburg bilden eine gemeinsame Gebotszone mit einem einheitlichen Preis. Österreich hat seit 2018 eine eigene Zone. Zwischen den Zonen fließt Strom über Leitungen mit begrenzter Kapazität. Sind sie voll ausgelastet, weichen die Preise voneinander ab. Den Vergleich zeigt Strompreis in Europa.
Was der Börsenpreis für deine Rechnung bedeutet
Mit einem festen Tarif kauft dein Anbieter den Strom über Monate und Jahre im Voraus ein. Einzelne teure oder günstige Stunden merkst du dann nicht. Mit einem dynamischen Tarif zahlst du den Börsenpreis jeder Stunde plus Netzentgelt, Umlagen, Steuern und einen Aufschlag des Anbieters. Der Börsenanteil macht dabei nur einen Teil des Endpreises aus.
Häufige Fragen
Wer legt den Strompreis an der Börse fest?
Niemand legt ihn fest. Er ergibt sich jeden Tag aus Angebot und Nachfrage in der Day-Ahead-Auktion. Das teuerste Kraftwerk, das noch gebraucht wird, bestimmt den Preis für alle.
Wann stehen die Strompreise für morgen fest?
Die Gebote müssen bis 12 Uhr abgegeben sein, die Ergebnisse stehen gegen 13 Uhr fest.
Warum ist Strom abends am teuersten?
Abends fällt der Solarstrom weg, während der Verbrauch hoch ist. Dann werden teurere Kraftwerke gebraucht, meist Gaskraftwerke.