Dynamischer Stromtarif in Österreich
Ratgeber · von Sander Valkonet · Stand Oktober 2026
Auch in Österreich gibt es Stromtarife, die den Börsenpreis jeder Stunde weitergeben. Grundlage ist der Day-Ahead-Preis der österreichischen Gebotszone, der oft ähnlich, aber nicht gleich dem deutschen Preis ist. Voraussetzung ist ein Smart Meter, den die meisten Haushalte inzwischen haben.
Der Börsenpreis in Österreich
Österreich bildet seit Oktober 2018 eine eigene Gebotszone, getrennt von Deutschland. Die Preise entstehen in derselben europäischen Day-Ahead-Auktion, stehen also ebenfalls gegen 13 Uhr für den Folgetag fest. Weil Österreich viel Wasserkraft und Pumpspeicher hat und Strom mit Deutschland, Tschechien, Ungarn, Italien und der Schweiz austauscht, liegt der Preis oft in der Nähe des deutschen, an manchen Tagen aber deutlich darüber oder darunter. Die aktuellen Werte zeigt Strompreis Österreich.
Smart Meter in Österreich
Die Netzbetreiber in Österreich haben den Großteil der Haushalte bereits mit Smart Metern ausgestattet. Für einen dynamischen Tarif muss der Zähler Viertelstundenwerte übermitteln. Bei vielen Netzbetreibern ist das eine Einstellung („Opt-in“ für Viertelstundenwerte), die du im Kundenportal oder auf Anfrage aktivierst. Ohne diese Freigabe kann der Anbieter nur Tageswerte abrechnen.
Was du insgesamt zahlst
Wie in Deutschland ist der Börsenpreis nur ein Teil der Rechnung. Dazu kommen:
- Aufschlag des Anbieters je Kilowattstunde und eine monatliche Grundgebühr.
- Netzentgelte für Netznutzung, Netzverluste und Messung. Sie hängen vom Netzgebiet ab und werden von der E-Control festgelegt. Seit 2026 gibt es in den Sommermonaten einen günstigeren Netztarif zur Mittagszeit.
- Abgaben und Steuern: Elektrizitätsabgabe, Erneuerbaren-Förderpauschale und Förderbeitrag sowie 20 % Umsatzsteuer.
Die Höhe der einzelnen Abgaben hat sich in den letzten Jahren mehrfach geändert, teils als befristete Entlastung. Den aktuellen Stand und einen Tarifvergleich für deine Postleitzahl bietet der Tarifkalkulator der E-Control.
Für wen es sich lohnt
Die Regeln sind die gleichen wie in Deutschland: Ein dynamischer Tarif bringt am meisten, wenn du Verbrauch verschieben kannst. In Österreich sind die Mittagsstunden im Sommer wegen der vielen Photovoltaikanlagen besonders günstig, an vielen Tagen sogar negativ. Elektroauto, Wärmepumpe mit Pufferspeicher, Warmwasserboiler und Batteriespeicher profitieren am stärksten. Wer vor allem abends Strom braucht, fährt mit einem festen Tarif oft besser.
Photovoltaik und dynamischer Tarif
Viele österreichische Haushalte mit Photovoltaik verkaufen ihren Überschuss zu einem Marktpreis, der sich am Börsenpreis orientiert. An sonnigen Tagen ist dieser Preis mittags niedrig. Es lohnt sich deshalb, den eigenen Solarstrom möglichst selbst zu nutzen und nur den Rest einzuspeisen. Ein dynamischer Bezugstarif hilft, abends und im Winter günstigen Netzstrom zu nutzen.
Energiegemeinschaften
Eine österreichische Besonderheit sind Energiegemeinschaften: Nachbarn, Gemeinden oder Vereine teilen sich lokal erzeugten Strom und zahlen dafür reduzierte Netzentgelte. Das kann eine Alternative oder Ergänzung zu einem dynamischen Tarif sein, besonders für Haushalte mit Photovoltaik-Überschuss.
Worauf du achten solltest
- Rechnet der Anbieter wirklich stündlich oder viertelstündlich ab, oder nur nach einem Monatsmittel?
- Wie hoch sind Aufschlag und Grundgebühr?
- Gibt es eine Preisobergrenze oder bist du allen Ausschlägen ausgesetzt?
- Kann die App des Anbieters Wallbox oder Wärmepumpe automatisch steuern?
- Wie lang ist die Kündigungsfrist?
Wann Strom in Deutschland am günstigsten ist und wie sich das über das Jahr verändert, zeigt Strompreis nach Uhrzeit; für Österreich verläuft das Muster ähnlich. Die Hintergründe zur Preisbildung erklärt Wie entsteht der Börsenstrompreis?
Stand: Oktober 2026. Abgaben und Netzentgelte ändern sich regelmäßig; maßgeblich sind die Angaben der E-Control und deines Anbieters.
Häufige Fragen
Gibt es in Österreich dynamische Stromtarife?
Ja. Mehrere Anbieter geben den Day-Ahead-Börsenpreis der Gebotszone Österreich je Stunde oder Viertelstunde weiter, plus Aufschlag, Netzentgelte, Abgaben und 20 % Umsatzsteuer.
Brauche ich in Österreich einen Smart Meter für einen dynamischen Tarif?
Ja, und er muss Viertelstundenwerte übermitteln. Bei vielen Netzbetreibern musst du das im Kundenportal freigeben.
Ist der Strompreis in Österreich gleich wie in Deutschland?
Nein. Österreich hat seit 2018 eine eigene Gebotszone. Die Preise liegen oft nah beieinander, können aber an einzelnen Tagen deutlich abweichen.